1.8.16

Ein Bett im Kornfeld - 12.Pilgertag

Auf dem Oberfränkischen Jakobsweg
von Hof nach Helmbrechts 21km

Schön ist der Frankenwald denke ich und schaue in die Ferne. Bis nach Santiago de Campostella sind es noch 2880 Kilometer. Da hinten muß es sein. Ein Katzensprung. Von nun an geht es auf dem Oberfränkischen Jakobsweg weiter. Er wird mich über die nächsten 183 Kilometer nach Nürnberg führen.


Helmbrechts, Bayern, Deutschland

Die Bilder wiederholen sich: Wiesen, Felder, Wald und Dorfplatz, dann Kühe, Katzen und ein Hund, der bellt, Pferde auf der Koppel und zwischendurch gibts wilde Kirschen. Die sind klein, aber schmecken köstlich. Dann wieder Wiesen, Felder, Wald und Dorfplatz,  Kühe, Katzen, Hund und Kirschen und plötzlich bist du in der nächsten Stadt. Da gibt es dann ein Lidl, Netto, oder Erika, zwei Döner, ein Grieche und ein Bäcker und so geht es immer fort und man kommt man quer durchs Land.

31.7.16

Grüß Gott und Servus! - 11.Pilgertag

Auf dem Sächsischen Jakobsweg
von Oelsnitz nach Hof 41km

Heute wird es lange dauern bis ich das Ziel erreiche. Und hoch hinaus gehen. 700 Höhenmeter sind zu bewältigen auf anspruchsvollen Wegen. Ich stehe früh auf, verabschiede mich von Werner, der treuherzig am Ausgang des kleinen Hotels mit sich allein ein Spalier bildet und trete hinaus in den Nieselregen.

Regnitzlosau, Bayern, Deutschland

Am sogenannten Dreiländereck, wo sich Tschechien, Bayern und Sachsen an einem Punkt treffen, stehe ich allein und mir wird klar, dass es hier vor garnicht langer Zeit nicht weiter ging. Unsere kleine wichtige DDR hatte sich einbalsamiert und bis zum Ersticken abgegrenzt. Ich bin bewegt und alleine. Nur der leichte Regen trommelt wie Applaus auf das Regendach meines Capes. 

30.7.16

Jürgen Croy - 10.Pilgertag

Auf dem Sächsischen Jakobsweg
von  Langenfeld nach Oelsnitz 32km

Falkenstein/Vogtland, Sachsen, Deutschland

Komisch, mir tut gar nichts weh, irgendwie unheimlich. Schon seit zwanzig Minuten nicht. Seitdem ich heute loslief gar nichts. Nicht mal ein leichtes ziehen am Schienbein. Das habe ich doch eigentlich immer. So ein leichter Schmerz ist ja zu verkraften und erinnert beruhigend daran anwesend zu sein. Wenn mann aber gar keinen Schmerz verspürt, an keiner Stelle nirgendwo, da fehlt doch was. Als wäre man gar nicht da. Das kann ja nicht gesund sein, so ganz ohne Schmerzen. Bestimmt kommt das Dicke Ende noch. 

Wenn ich mich umdrehe kann ich von oben herab auf Langenfeld sehen. Die ersten 2 Kilometer ging es steil bergauf. Laub säumt die Wege. Der Herbst schickt seine Vorboten. 

29.7.16

Aus blauem Himmel - 9.Pilgertag

Auf dem Sächsischen Jakobsweg
von Zwickau nach Lengenfeld, 26km



"Schlag einfach die Tür zu, wenn du gehst!" Barbara hat ein geblümtes Kleid an, steht schon im Flur und winkt. Dann kracht die Tür ins Schloss und sie ist weg. Es ist Freitag und es ist Sommer. Ich sitze allein in einer Küche einer Wohnung mitten in Zwickau an der Fernverkehrsstraße 273 und lese in der liegen gebliebenen Zeitung im Sportteil. Das Ticken der Wanduhr ist das einzige Geräusch. Ich esse zwei überreife Pfirsiche und trockenes Brot, mehr ist im Augenblick nicht da, lege das vereinbarte Geld und etwas mehr auf den Tisch, packe meine Sachen zusammen und schwinge meinen Rucksack auf die Schultern. Im Treppenhaus riecht es nach Keller. Ich gehe ich die knarrende Holztreppe hinunter und stoße die schwere Haustür mit der Schulter auf. "Da bist du ja wieder!" Die Straße brüllt mir entgegen, als wolle sie fragen: "Wo warst du denn die ganze Zeit?"

28.7.16

Katzenjammer - 8.Pilgertag

Auf dem Sächsischen Jakobsweg
von Stollberg nach Zwickau, 30km

Heute habe ich Katzenjammer und sehne mich nach zu Hause. Das Reden fehlt mir. Die Gespräche. Immer nur Hund und Katze. Kühe und Kirschen können auch nerven. Selbst die Felder mit ihrem goldgelben Weizen versöhnen nicht. Immer nur mit sich alleine und immer nur ein Schritt vor den nächsten. Das nervt.


Wildenfels, Sachsen, Deutschland

Lange führt mein Weg direkt an der Autobahn entlang und ich versteh mein eigenes Wort nicht wenn ich mich mit Thomas Bernhardt unterhalte. Das Textbuch in der Hand versuche ich mich vergebens zu konzentrieren und lass es schließlich sein.