22.10.17

Marathon beim Dresden Marathon 2018, 3:43:31



Lief gut bis km 37, dann Krämpfe. Die letzten Kilometer waren abenteuerlich. Motto: Ich behalte die guten Bilder im Kopf und trainiere weiter.

378. in der Gesamtwertung. 56.Platz in der AK 50 (von 146), HM Zeit 1:50


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28.7.17

Flammendes Inferno - 24.Pilgertag

Auf dem Jakobsweg Nürnberg - Ulm

von Oettingen nach Nördlingen 26,9km

Fünfhundert Weißbrotbrötchen versperren mir die Sicht im barocken Frühstückssaal des Hotels zur "Goldenen Gans" in Oettingen. "Ich bringe ihnen Vollkornbrot", die Wirtin blickt verstohlen auf die Uhr. "Ich habe verschlafen, stöhne ich kleinlaut." "Das habe ich gemerkt", sie wendet sich geübt und im Bewusstsein Wirkung zu hinterlassen, ihre Jeans sind etwas aus der Mode, sitzen aber gut, denke ich, als sie den Saal verläßt und im gehen, wie nebenbei Teller von den Nachbartischen räumt. Wie alt wird sie sein? 


Oettingen, Bayern, Hotel Zur Goldenen Gans


"Sie sind Schauspieler?", fragt sie und stellt, zurückgekommen vier Scheiben Vollkornbrot in einem kleinen Bastkorb auf den Tisch. "Ja," antworte ich. "Nach dem Essen werde ich ihnen etwas zeigen, sie werden staunen." 


27.7.17

Wenn man lange genug auf eine Stelle sieht - 23.Pilgertag

Auf dem Jakobsweg Nürnberg - Ulm

von Heidenheim nach Oettingen 22,3km

Wenn man lange genug auf eine Stelle sieht, immer auf die selbe, dann entstehen auf Häuserwänden Bilder und aus Bildern kriechen Menschen. 


Biografien auf brüchigem Häuserputz, die man nie gesehen hätte. Die Zeit hat sie gemalt. Man muß lange genug auf ein und die selbe Stelle gucken und alles wird anders. Als würde eine zweite Haut die Wahrheit hinter dem ersten Schein verraten, begierig darauf entdeckt zu werden.


26.7.17

Den ganzen Tag - 22. Pilgertag

Auf dem Jakobsweg Nürnberg - Ulm
von 
Kalbensteinberg nach Heidenheim 33,3km

Ich weiß nicht was ich gesehen haben würde hätte ich hochgeschaut. Und ich weiß auch nicht warum ich das hier mache. Es hat den ganzen Tag geregnet.





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25.7.17

Jemand - 21. Pilgertag

Auf dem Jakobsweg Nürnberg - Ulm
von Schwabach nach Kalbensteinberg 34,4km


Ich könnte Bäume ausreißen. Schnell erledige ich schon auf den ersten Kilometern meine Hausaufgaben. Text lernen. Lessing, Arthur Miller und Bodo Wartke stehen heute auf dem Programm. Hinter Schwabach tritt man in die Fußstapfen alter Handelsstraßen. 

Kapelle am Heidenberg

Hinter dichten Bäumen auf einer Anhöhe, am Heidenberg, zeigt sich eine moderne Kapelle. Eng gereihte Eichenstehlen formen den Innenraum. Ein schlichter Kalkstein mit einer Glasplatte bildet den Altar. Ich sitze und schweige. Dann überkommt es mich. Und wie aus Schleusen, die sich öffnen, nach viel zu langer Zeit, dem Druck endlich nachgeben, fallen mir die Tränen aus den Augen und ich weiß genau warum.




Dann fange ich an zu beten, suche nach dem Text, der in der Bibel steht und nicht in meinem Kopf, der sich wie aus fernem Nebel wieder bildet und gestehe mir ein, ich habe Angst. Der Krebs, der sich meine Mutter ausgesucht hat, will nicht weichen. Fest drücke ich meine Hände aneinander. Ich, der das beten nie gelernt hat. Leise schließe ich die Tür, als wäre noch jemand darin. Jemand der nicht gestört werden darf.




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Nächstes Kapitel: Den ganzen Tag - 22. Pilgertag



24.7.17

Wo waren wir stehen geblieben? - 20. Pilgertag

Auf dem Jakobsweg Nürnberg - Ulm
von Nürnberg nach Schwabach 17,1km

Stau - und der Himmel läßt den Regen auf das Dach des Busses trommeln. Ich fahre nach fünf Monaten wieder zum Ausgangspunkt um meine Reise zu Fuß nach Spanien fortzusetzen und habe redlich versucht weniger Gepäck mitzunehmen. Aber Verzicht bedeutet Überlegung. Einfach weniger wäre leichtfertig. Immer wieder die Frage: Was braucht man wirklich? Südlich verlasse ich Nürnberg. 


Katzwanger Straße Nürnberg Süd

30.4.17

Marathon zum 20.OEM Dresden, 3:46:24

Das "Projekt 3:29:59" stand nun seit einiger Zeit. Beate, André, Martin, Thomas hatten sich vorgenommen einen"antifaschistischen Schutzwall" um mich herum zu errichten, jegliche Störfaktoren somit auszuschalten. Sich dem Wind, welcher sowieso an diesem sonnigen Tag leicht von hinten kam, und überhaupt allen Störungen entgegenzutreten war ihre Aufgabe. Ganz wie der "Innenminister" lief ich also innen, behütet und angefeuert. Bekam Cola wann ich wollte, das gabs zuletz nur auf dem Kindergeburtstag. Ab km 30 musste ich dem hohen Tempo Tribut zollen. Es ging mir wirklich verzweifelt schlecht. Schon ab km 18 eigentlich spürte ich Schwäche. Wie ich ins Ziel gekommen bin, dass ist fast ein Rätsel. "Mit de Beene" wahrscheinlich. Es ist nicht so schlimm, das man ein Tempo nicht hält, wen man WEITER LÄUFT. Ich bin so dankbar. Ich habe wunderbare Freunde. Als Cathleen in der 3:45 Pace Gruppe aufschloss waren wir komplett. Sie konnte sogar noch reden. Mir hatte es jede Sprache verschlagen. Danke.


54 Platz in meiner Altersklasse, von 190 insgesamt. 306. Platz der Männer von 896 insgesamt. 

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25.2.17

Nürnberg - 19.Pilgertag

Auf dem Oberfränkischen Jakobsweg
von Kalchreuth nach Nürnberg 20,3km

"Wo ist der Weihnachtsmarkt?" rufe ich. "Wo ist der berühmte Nürnberger Lebkuchen, den man am besten in Sachsen kaufen kann?" Und richtig auf dem Markt, gibt es doch tatsächlich auch jetzt weihnachtliches Gebäck in allen Größen und schönen bunt gestanzten Dosen. 


Zunächst aber laufe ich auf die Stadtmauer zu. Imposant und riesig. Chinesen aus Bussen steigen aus und halten ihre iPads auf die Burg, dann steigen sie wieder ein und sind weg. Ein hastiges Volk. So laut wie leise. 


Man betritt die Stadt von oben, die Kaiserburg im nahen Blick und fällt dann geradezu stadteinwärts auf den berühmten Marktplatz.



Der "Schöne Brunnen" auf dem Markt wurde Ende
des 14.Jahrhunderts errichtet.

Heute ist wiedermal ein Abschied. Ich werde von Nürnberg nach Hause fahren und von hier aus die Reise im Sommer 2017 fortsetzen. 


Inzwischen bin ich schon 506 km von zu Hause in Richtung Spanien gepilgert. Mensch, ist das aufregend! Aufregend vor allem deshalb, weil man sozusagen im "Vorbeigehen" erlebt, wie sich die Mentalität, der Dialekt, die Architektur, das Bier, oder auch nur das Brot verändern. Es ist nicht das Große, das Gewichtige, das man beim Pilgern erfährt. Es sind die Kleinigkeiten, die ein Neues, ein neues Ganzes ergeben. 

Denn was man zu Fuß erlebt behält man im Kopf.




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24.2.17

Der Zauberstab - 18.Pilgertag

Auf dem Oberfränkischen Jakobsweg
von Betzenstein nach Kalchreuth 38km

Mit der Burgruine Wildenfels wird der höchste Punkt der Strecke zwischen Bayreuth und Nürnberg erreicht. Durch die Ost-West-Überquerung der Fränkischen Alb gibt es viel auf und ab.


Heute ist ein schöner Tag. Ich komme gut voran und singe Bodo Wartke Lieder. In vier Monaten ist Premiere auf dem Theaterkahn Dresden und die Lieder sind schön, aber lang.  Nun gut, ich habe Zeit und geniesse seinen Wortwitz auf den Feldern vor Gräfenberg.


In Gräfenberg auf dem Marktplatz mache ich Halt und lese in der Karte. Dann stocke ich, atme einmal tief durch, schaue wieder auf die Karte und stocke erneut. Ich habe meine Rechnung ohne den Winter gemacht. Natürlich, es wird ja im Winter viel früher dunkel. Oh, ich verdammtes Stadtkind. Oh, ich verwöhntes, straßenlichtbehütetes, U-Bahn und S-Bahn geschädigtes berlinerndes Stadtkind. Jetzt aber schnell, denn wenn nicht ein Wunder geschieht, bin ich zum Sonnenuntergang noch mitten im Wald, ohne Licht und Orientierung.




23.2.17

Garry Cooper und Bodo Wartke - 17.Pilgertag

Auf dem Oberfränkischen Jakobsweg
von Pegnitz nach Betzenstein 26km


Ich werde die Herausforderung annehmen, beim nächst Zyklus genauer darüber nachzudenken, was ich alles nicht brauche und was ich wirklich brauche. Jedoch nicht: "Weniger ist mehr!", sondern "Besser ist richtig!". Das richtige Material, eine Jacke für viele Gelegenheiten. Außerdem darf man ruhig auch was vermissen. Das ist am Ende gar nicht schlimm. Unsere Zeit hat uns abgewöhnt Dinge zu vermissen. Wir haben immer alles dabei. Selbst das Schweizer Taschenmesser hat 104 Funktionen. Ich glaube, man kann es auch essen.




Schnell bin ich aus dem Pegnitztal heraus hoch auf die Felder. Der Weg führt nach Bronn. Einem kleinen verschlafenen Nest. "High Noon" im Frankenwald. "Hallo, lebt hier jemand?" ich rufe halblaut, denn ich vermute Garry Cooper kommt gleich um die Ecke. Aber es gibt kein Duell. Ich trinke Tee und laufe singend die Straße ortsauswärts. Bodo Wartke, ob man den hier kennt? Nicht mal eine Kuh, die mir zunickt, keine Fliege. Nur das stete summen der Autobahn in weiter Ferne.



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Nächstes Kapitel: Der Zauberstab - 18. Pilgertag


22.2.17

Im Westen nichts neues - 16.Pilgertag

Auf dem Oberfränkischen Jakobsweg
von Creußen nach Pegnitz 26km


Vielleicht fehlen mir die duftenden Gräser und Felder. Es ist eintönig. Selbst der Wald trauert. Ich friere eigentlich immer. Meine dünne Laufjacke hält die Winde kaum ab. Gegen alle Vernunft lasse ich Pausen aus, um vorwärts zu kommen. Es regnet. In Hungenberg, biege ich in den Wald ab. Hier muß irgendwo die Quelle des "Roten Main" sein.



Wußte ich garnicht, dass der Main aus dem "Weißen Main" und dem "Roten Main" besteht. Ersterer entspringt im Granitgebirge. Ich lese zähneklappernd die Tafeln im Wald, mehr pflichtbewußt als interessiert. 

21.2.17

3,6 Sekunden - 15.Pilgertag

Auf dem Oberfränkischen Jakobsweg
von Bayreuth nach Creußen 21km

David liebt schnelle Autos. Seine Freundin auch. David wird Medizin studieren. Am besten in Wien. 6000 Bewerber auf 300 Plätze. Das kann knapp werden. Aber wird klappen. David grinst: "Ich bin faul, aber ehrgeizig! Ich will der Beste sein. Wenn schon, denn schon. Dann drückt er aufs Gas und der Mercedes schnellt nach vorne. Von Null auf hundert in 3,6 Sekunden. Es drückt uns in die Sitze. "Wie auf dem Rummel", stöhne ich. Oh Gott ist das schnell. Ich schaue nach unten. Eine alte Technik, erlernt auf unzähligen Riesenrädern dieser Welt. David grinst. David grinst eigentlich immer und ich bin ihm dankbar, weil er mich, mit dem Auto seiner Eltern, in 3,6 Sekunden von Dresden nach Bayreuth fährt. Der Regen peitscht an die Scheiben.



Und dann ist Bayreuth einfach da, wie selbstverständlich, als wäre keine Zeit dazwischen gewesen. Ein halbes Jahr ist vergangen. Jetzt haben wir Winter. Und es geht weiter auf dem Oberfränkischen Jakobsweg.



Etwas trostlos, aber schneebefreit mühen sich meine Schuhe auf den feuchten Wegen.  Mein Fuß versinkt im Morast. In Creußen findet sich ein Schild in der Brautgasse. "Noch 2856 km bis Santiago de Campostella."


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Nächstes Kapitel: Im Westen nichts neues - 16.Pilgertag