28.7.17

Flammendes Inferno - 24.Pilgertag

Auf dem Jakobsweg Nürnberg - Ulm

von Oettingen nach Nördlingen 26,9km

Fünfhundert Weißbrotbrötchen versperren mir die Sicht im barocken Frühstückssaal des Hotels zur "Goldenen Gans" in Oettingen. "Ich bringe ihnen Vollkornbrot", die Wirtin blickt verstohlen auf die Uhr. "Ich habe verschlafen, stöhne ich kleinlaut." "Das habe ich gemerkt", sie wendet sich geübt und im Bewusstsein Wirkung zu hinterlassen, ihre Jeans sind etwas aus der Mode, sitzen aber gut, denke ich, als sie den Saal verläßt und im gehen, wie nebenbei Teller von den Nachbartischen räumt. Wie alt wird sie sein? 


Oettingen, Bayern, Hotel Zur Goldenen Gans


"Sie sind Schauspieler?", fragt sie und stellt, zurückgekommen vier Scheiben Vollkornbrot in einem kleinen Bastkorb auf den Tisch. "Ja," antworte ich. "Nach dem Essen werde ich ihnen etwas zeigen, sie werden staunen." 


27.7.17

Wenn man lange genug auf eine Stelle sieht - 23.Pilgertag

Auf dem Jakobsweg Nürnberg - Ulm

von Heidenheim nach Oettingen 22,3km

Wenn man lange genug auf eine Stelle sieht, immer auf die selbe, dann entstehen auf Häuserwänden Bilder und aus Bildern kriechen Menschen. 


Biografien auf brüchigem Häuserputz, die man nie gesehen hätte. Die Zeit hat sie gemalt. Man muß lange genug auf ein und die selbe Stelle gucken und alles wird anders. Als würde eine zweite Haut die Wahrheit hinter dem ersten Schein verraten, begierig darauf entdeckt zu werden.


26.7.17

Den ganzen Tag - 22. Pilgertag

Auf dem Jakobsweg Nürnberg - Ulm
von 
Kalbensteinberg nach Heidenheim 33,3km

Ich weiß nicht was ich gesehen haben würde hätte ich hochgeschaut. Und ich weiß auch nicht warum ich das hier mache. Es hat den ganzen Tag geregnet.





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25.7.17

Jemand - 21. Pilgertag

Auf dem Jakobsweg Nürnberg - Ulm
von Schwabach nach Kalbensteinberg 34,4km


Ich könnte Bäume ausreißen. Schnell erledige ich schon auf den ersten Kilometern meine Hausaufgaben. Text lernen. Lessing, Arthur Miller und Bodo Wartke stehen heute auf dem Programm. Hinter Schwabach tritt man in die Fußstapfen alter Handelsstraßen. 

Kapelle am Heidenberg

Hinter dichten Bäumen auf einer Anhöhe, am Heidenberg, zeigt sich eine moderne Kapelle. Eng gereihte Eichenstehlen formen den Innenraum. Ein schlichter Kalkstein mit einer Glasplatte bildet den Altar. Ich sitze und schweige. Dann überkommt es mich. Und wie aus Schleusen, die sich öffnen, nach viel zu langer Zeit, dem Druck endlich nachgeben, fallen mir die Tränen aus den Augen und ich weiß genau warum.




Dann fange ich an zu beten, suche nach dem Text, der in der Bibel steht und nicht in meinem Kopf, der sich wie aus fernem Nebel wieder bildet und gestehe mir ein, ich habe Angst. Der Krebs, der sich meine Mutter ausgesucht hat, will nicht weichen. Fest drücke ich meine Hände aneinander. Ich, der das beten nie gelernt hat. Leise schließe ich die Tür, als wäre noch jemand darin. Jemand der nicht gestört werden darf.




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Nächstes Kapitel: Den ganzen Tag - 22. Pilgertag



24.7.17

Wo waren wir stehen geblieben? - 20. Pilgertag

Auf dem Jakobsweg Nürnberg - Ulm
von Nürnberg nach Schwabach 17,1km

Stau - und der Himmel läßt den Regen auf das Dach des Busses trommeln. Ich fahre nach fünf Monaten wieder zum Ausgangspunkt um meine Reise zu Fuß nach Spanien fortzusetzen und habe redlich versucht weniger Gepäck mitzunehmen. Aber Verzicht bedeutet Überlegung. Einfach weniger wäre leichtfertig. Immer wieder die Frage: Was braucht man wirklich? Südlich verlasse ich Nürnberg. 


Katzwanger Straße Nürnberg Süd